Sömmerdaer Allgemeine, 29.12.2016
Mit „Teledoc“ helfen Jenaer Ärzte Patienten in Sondershausen

Teledoc Sonderhausen

Dr. Hans Herdan (rechts), der kommissarische Chefarzt der inneren Abteilung am DRK-Krankenhaus in Sondershausen, und Patrice Schönborn, der Leiter der Notaufnahme, stehen am Terminal für die Schlaganfall-Diagnose mit Neurologen an der Uni-Klinik Jena in Kontakt. Foto: Timo Götz

DRK-Klinikum ist jetzt Teil eines Netzwerkes zur Schlaganfall-Diagnose. In Sömmerda schon 100 Fälle behandelt

Sondershausen. Per Kamera, Bildschirm und Internet können Patienten mit Verdacht auf Schlaganfall im Sondershäuser DRK-Krankenhaus jetzt rund um die Uhr von Neurologen der Uni-Klinik Jena untersucht werden. Wie in Sömmerda schon seit einem Jahr möglich, stellen die Fachärzte über ein Gerät mit dem Namen "Teledoc" innerhalb von Minuten ihre Diagnosen und geben den Notfallmedizinern in Sondershausen sofort fundierte Empfehlungen für die weitere Behandlung.

"Nach weniger als einer Viertelstunde können wir den Patienten dann schon gezielt helfen", ist Dr. Hans Herdan, der kommissarische Chefarzt der Abteilung für innere Medizin im Sondershäuser Krankenhaus vom neuen Diagnose-System begeistert. Bei Schlaganfällen können Minuten darüber entscheiden, ob der Patient nach dem Kollaps im Gehirn unter schweren Folgen leiden muss oder so einen Notfall ganz ohne Nachwirkungen übersteht.

"Ohne die Einschätzung von Neurologen ist es allerdings schwierig, die Form des Schlaganfalls festzustellen", erklärt Dr. Herdan. Im Sondershäuser Krankenhaus arbeiten solche Fachleute bislang nicht. "Wir waren entweder auf die Diagnose von ortsansässigen Neurologen angewiesen oder mussten die Patienten gleich nach Nordhausen transportieren lassen, wenn kein niedergelassener Facharzt in Sondershausen greifbar war", schildert der kommissarische Chefarzt das nun behobene Problem. Auf der Fahrt in die Nordhäuser Klinik vergingen wieder wertvolle Minuten.

Seit Anfang Dezember werden Patienten im Sondershäuser Krankenhaus per "Teledoc" auf Anzeichen und Art eines Schlaganfalls untersucht. Bereits sieben Mal stellten die Fachärzte in Jena dabei ihre Ferndiagnose. Allen Betroffenen blieb der Transport nach Nordhausen erspart. Sondershausen ist als letzter der drei Standorte vom Klinikverbund des DRK in Thüringen an das Diagnose-Netzwerk "Satelit" angeschlossen worden.

Im Sömmerdaer Krankenhaus werden Schlaganfälle schon seit einem Jahr mit dem "Teledoc" untersucht. Bei etwa hundert Patienten holten sich die Ärzte der Klinik in diesem Zeitraum den Rat der Neurologen in Jena ein. Im Bad Frankenhäuser Manniske-Krankenhaus wird das System seit wenigen Monaten genutzt.

18 Kliniken in ganz Thüringen sind bereits an das Satelit-Netzwerk angeschlossen. Im Jenaer Uniklinikum arbeitet ein Team von acht Neurologen unter der Leitung von Oberarzt Dr. Albrecht Günther an den Ferndiagnosen mit dem "Teledoc". "In diesem Jahr werden wir etwa 1200 Schlaganfall-Patienten mit Hilfe der Technik untersuchen", schätzt Günther ein. Ein weiteres Neurologie-Zentrum im Altenburger Krankenhaus, das andere Partner im Netzwerk betreut, werde eine ähnlich hohe Zahl an Fällen bearbeiten.

Für ihre Diagnosen müssen sich die Neurologen in Jena nicht allein auf das Kamerabild und die Töne aus der Notaufnahme im entfernten Krankenhaus verlassen. Die Ärzte vor Ort liefern vor und auch während der "Teledoc-Sitzung" Bilder des Patienten aus dem Computertomografen auf einen weiteren Monitor am Arbeitsplatz des Experten im Uniklinikum. Der kann über Lautsprecher selbst mit dem Patienten Kontakt aufnehmen oder Anweisungen an seine Ärztekollegen am Behandlungstisch übermitteln.

Mit der auf diese Weise schnell und fachärztlich gestellten Diagnose hofft Dr. Herdan künftig auch in Sondershausen noch mehr Patienten ein möglichst beschwerdefreies Leben nach einem Schlaganfall ermöglichen zu können. Sein Team könne nur helfen, wenn die Menschen mit Anzeichen eines Schlaganfalls rechtzeitig die Notfallmedizin einschalten. Die größten Schäden würden nach wie vor angerichtet, weil die Betroffenen viel zu spät nach einem Arzt rufen.
Quelle: Sömmerdaer Allgemeine / Timo Götz

soemmerda.thueringer-allgemeine.de/...

 


zurück