Presse/Telemedizin/2013

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MEDIZINTECHNIKNEWS, Ausgabe 3 | 30.06.2013
Schlaganfallversorgung durch Stroke-Einsatz-Mobil deutlich verbessert

Stemo
Stroke-Einsatz-Mobil (STEMO) im Einsatz © Berliner Feuerwehr

50 % mehr Schlaganfall-Betroffene konnten wirksam und signifikant schneller therapiert werden, wenn sie im „Stroke-Einsatz-Mobil“ (STEMo) versorgt wurden – so lauten Ergebnisse einer Studie der Charité - Universitätsmedizin Berlin mit 7.098 patienten.

Die Zeit vom Notruf bis zur Therapie reduzierte sich um 25 Minuten gegenüber herkömmlicher Versorgung, dabei war die Behandlung genauso sicher wie im Krankenhaus. Für die Studie wurde das STEMO über einen Zeitraum von 21 Monaten im wöchentlichen Wechsel mit einem regulären Rettungsfahrzeug eingesetzt; genauer: die Vergleichsstudie hatte randomisiert verteilte Einsatz- und Kontrollwochen. Die Ergebnisse der PHANTOM-S Studie (prehospital acute neurological therapy and optimization of medical care in stroke patients) erregten großes internationales Interesse bei der European Stroke Conference in London Ende Mai, wo die Forschergruppe um Prof. Heinrich Audebert von der Charité-Klinik für Neurologie auch solch ein STEMO präsentierte.

Das STEMO enthält Geräte, die es sonst nur in Kliniken gibt: Computertomograph und modernste Labortechnik. Speziell geschultes Rettungspersonal und ein Neurologe mit Notarztqualifikation an Bord können damit in kürzester Zeit die sichere Diagnose „Schlaganfall” stellen und andere Ursachen gestörter Hirnfunktionen ausschließen. Unmittelbar nach dieser Diagnose kann die Lyse-Therapie zur Wiedereröffnung der Gefäße einsetzen. »Je eher dies geschieht, desto weniger Gehirnzellen sterben ab und umso geringer sind die Folgeschäden«, erläutert Professor Audebert. Aber „So ein Fahrzeug funktioniert nur, wenn es in eine funktionierende Rettungsstruktur eingebunden ist“, gibt er zu bedenken. Korrekte Zuweisungen durch die Leitstelle der Feuerwehr (59 % Trefferquote) haben ebenso zum Erfolg beigetragen wie die insgesamt 28 kooperierenden Berliner Kliniken.

Hintergrund: in Deutschland erleiden jedes Jahr ca. 300.000 Personen einen Schlaganfall (Stroke), davon ungefähr 10.000 allein in Berlin. Beim akuten Schlaganfall sterben pro Minute 1,9 Millionen Nervenzellen ab. Der Schlaganfall ist die häufigste Ursache
für eine bleibende Behinderung und belegt Platz 3 in der Todesursachenstatistik. die Kosten für die Behandlung und Rehabilitation belaufen sich in Deutschland auf über 8 Milliarden Euro pro Jahr.

Das STEMO wurde in einem Konsortium der Charité, der Berliner Feuerwehr und der Brandenburger Firmen Meytec GmbH und Thermo Fisher Scientific Clinical Diagnostics BRAHMS GmbH entwickelt und steht für erfolgreichen Technologietransfer. Gefördert wurde das Projekt aus Mitteln des Zukunftsfonds des Landes Berlin, des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFrE) sowie durch die Investitionsbank des landes Brandenburg. der Bereich Medizintechnik der TSB Innovationsagentur Berlin GmbH begleitet das Projekt von Anfang an.

Eine weitere gute Nachricht für die Schlaganfallforschung: das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat dem Centrum für Schlaganfallforschung Berlin (CSB) an der Charité - Universitätsmedizin Berlin im Mai 2013 eine Förderung von 25 Millionen EUR für die nächsten 5 Jahre bewilligt (zweite Förderperiode).

 

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